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„Was ist nur in meiner Klasse los?! – Traumatisierung und unsichere Bindungsmuster von Schülern und Eltern. Konsequenzen für den Schulalltag

Auf einen Blick

Veranstaltungsnummer

FSN2026-5889

Veranstalter (Institut)

Dr. Wilhelm de Terra

Veranstaltungsform

SchiLF
i SchiLF = Schulinterne Lehrkräftefortbildung, ScheLF = Schulexterne Lehrkräftefortbildung.

Veranstaltungstyp

beliebig

Auf Anfrage

Ja

Kurzbeschreibung

Aggressive Ausbrüche, ständige Unruhe und kräftezehrende Elterngespräche: Belastende Alltagssituationen zehren massiv an der Lehrergesundheit. Diese Online-Fortbildung für Schulkollegien schafft spürbare Entlastung. Sie lernen, unsichere Bindungsmuster und Traumatisierungen präzise zu entschlüsseln und ihnen mit professioneller Haltung zu begegnen – für ein entspannteres Klassenklima und einen echten „sicheren Ort“ für alle.

Aus der Praxis für die Praxis: Der Referent steht selbst im Schuldienst und übersetzt komplexe Theorien aus Bindungsforschung und Traumapädagogik direkt in konkrete, umsetzbare Handlungsschritte für den Unterrichtsalltag.

Zielgruppe und Einordnung

Kategorie

keine Angabe

Zielgruppe

Lehrerkollegien

Schulform

Schulformübergreifend

Unterrichtsfach / Berufsfeld

Alle Unterrichtsfächer

Beschreibung

„Es vergeht kein Tag, wo auf dem Weg zu meiner Klasse nicht jemand schreit, weint, schlägt, jammert, streitet, diskutieren oder ein Pflaster haben will. Ab jetzt gehe ich mit meiner Kollegin nur noch über die Leiter durchs Fenster rein!“ Heitere Ironie und ungläubige Resignation vermischen sich in dieser Klage einer Grundschullehrerin während dieser Fortbildung. Was ist nur mit meiner Klasse los?! Wo Lehrer und Schule lernen, aus solcher Orchestrierung ihrer Schüler die Schreie nach Bindung herauszuhören, wo Lehrer lernen, mit professionellem Fürsorgeverhalten zu reagieren, da wird ein Beitrag geleistet, die Schule als sicheren Ort für Schüler und Erwachsene gleichermaßen zu gestalten.

Beschreibung:

Studien zufolge gelten 55 % aller Kleinkinder in Deutschland als unsicher gebunden, was sich in die Zeit des Schulbesuchs fortsetzt. Im Rahmen der Inklusion hat sich die Heterogenität der Schülerschaft noch erweitert. Unter Schülerinnen und Schülern mit einem sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf ESE oder Lernen sind bis zu 85 % nicht sicher gebunden. Bindungsunsicherheiten und Traumatisierungen von Kindern und Jugendlichen stehen in Verbindung mit zahlreichen Problemen und Herausforderungen. Aufgrund von Bindungserfahrungen, die durch Zurückweisungen, starken Ambivalenzen in der Eltern-Kind-Beziehung oder gar durch Missbrauch und Vernachlässigung geprägten sind, verhalten sich Kinder und Jugendliche den Erwachsenen und ihren Mitschülern gegenüber distanzlos oder gewalttätig, wirken permanent unruhig und unkonzentriert. Sie gelten zum Teil sogar als nicht mehr beschulbar. Diese entwicklungslogischen Überlebensstrategien solcher Kinder und Jugendlichen wirken im Bereich Schule aber dysfunktional. Viele Lehrerinnen und Lehrer reagieren auf solche „Verhaltensauffälligkeiten“ verunsichert oder sogar, in Unkenntnis der Hintergründe, kontraproduktiv.
Die Veranstaltung soll zum einen auf Grundlage theoretischen Hintergrundwissens die Lehrkräfte darin unterstützen, unsichere Bindungsmuster und Traumatisierungen „lesen zu lernen“. Zum anderen möchte ich anhand von konkreten Vorgehensweisen und Haltungsänderungen zeigen, wie im engen Rahmen von Schule angemessen auf bindungsunsichere Kinder und Jugendliche reagiert werden kann.

Als Lehrer im Schuldienst kann ich auf eigene aktuelle Praxiserfahrungen zurückgreifen und auch komplexe theoretische Grundlagen immer wieder an Praxisbeispielen illustrieren.

Grundlagen und Methoden:

Theorie
Grundzüge der Bindungstheorie
• Bindung und menschliche Entwicklung: Funktionen des Gehirns und vegetativen Nervensystems im Kontext von Bindung, Emotionalität und Alltagsbewältigung
• Bindungsunsicherheiten: Entstehung und Auswirkungen auf die menschliche Entwicklung
• „Die sind doch alle gaga!“ –Bindungsdynamiken im Klassenzimmer verstehen und pädagogisch handeln
Traumaforschung und Traumapädagogik
• Psychotraumata (Bindungstraumata): Definition, Erscheinungsformen und Auswirkungen auf die menschliche Entwicklung.
• Transgenerationale Übertragung von Traumata
• „Leben im Kriegsgebiet“: Auswirkungen von Traumatisierungen von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter
• Traumatisierte Schüler: Erkennen, Verstehen, helfen

Praxis
• „Schule als sicherer Ort“: Umgang mit bindungsunsicheren und traumatisierten Schülerinnen und Schülern im Unterricht.
• „Angriff ist die schlechteste Verteidigung: Nichtkomplementäres Lehrerhandeln“ ¬– Fallstricke ausräumen im Umgang mit unsicher gebundenen Kindern, Jugendlichen und deren Eltern
• „Wenn die Wunderfrage nur verwundert“ – Mentalisierungsorientierte Gesprächsführung
• „Was mir Dein Schreien verrät“ – Rollenspiel
• Fallbesprechungen

Die Veranstaltung umfasst eine Einführung in die theoretischen Grundlagen von Bindungsforschung und Traumapädagogik sowie eine Reihe von Praxisübungen, die auch online durchgeführt werden können.

Referent:
Promovierter Erziehungswissenschaftler und aktiver Förderschullehrer im Schuldienst (Inklusion). Zu dem Themenkomplex "Bindung, Bindungssicherheit und Traumatisierung" bietet ich an: Universitätsseminare in der Lehrerausbildung (TU Dortmund, Uni Bielefeld), Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer am Kompetenzzentrum für regionale Lehrkräftefortbildung in Hildesheim sowie Schulungen von Lehrerkollegien und anderen pädagogischen Fachkräften wie Berufsberatern der Agentur für Arbeit.

Stichwörter:

Trauma

Traumatisierung

Bindung

Gewalt

Haltung

Schwierige Schüler

Herausforderndes Verhalten

Beziehung

Lehrer Schüler Beziehung

Voraussetzungen

Die Fortbildung richtet sich an Schulen und deren Kollegien. Sie ist nicht durch Einzelteilnehmer buchbar. Online- und Präsenzveranstaltung möglich.

Veranstaltungshinweise

Bewährt hat sich eine Aufteilung in zwei Blöcke von je 3,5 Stunden. Die Zeitstruktur lässt sich jedoch flexibel an die Bedürfnisse Ihres Kollegiums anpassen – auch kleinere Formate wie Impulsvorträge oder Workshops sind auf Anfrage möglich.